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Wachsgewinnung

Von Michael Uhlig

 

Neben Pollen und Honig liefern uns die Bienen Wachs und Propolis. In diesem Kapitel geht es um das Bienenwachs an sich, seine Eigenschaften, die Methoden der Wachsgewinnung und -verarbeitung und über die Wachsverwendung.

 

Das Bienenwachs wird von den Bienen in speziellen Wachsdrüsen gebildet und ausgeschieden. An der Unterseite des Bienenhinterleibs tritt das Wachs in Form kleiner, fast durchsichtig weißer Plättchen von ca. 1,0 bis 1,5 mm aus. Hier wird es von den Bienen abgenommen und mit den Mundwerkzeugen (Mandibeln) zerkaut und anschließend für den Aufbau von einzelnen Zellen verwendet. Viele Zellen bilden später zusammen eine Wabe.

 

Neue Bienenwaben, in denen noch keine Brut aufgezogen wurde und in denen noch kein Pollen oder Honig gelagert wurde, sind deshalb völlig weiß. Mit der Zeit verfärbt sich das Wachs durch den Gebrauch über gelb nach dunkelbraun.

 

In der Imkerei werden dunkle Waben aussortiert und das darin enthaltene Wachs wird ausgeschmolzen, gereinigt und verwertet. Je nach gewonnener Wachsqualität werden aus dem Wachs Mittelwände hergestellt oder Gebrauchsartikel wie Bienenwachskerzen, Figuren aus Wachs, wachshaltige Kosmetika oder Schutzanstriche oder Konservierungsmittel für Holz- oder Lackoberflächen hergestellt.

 

Kleine Imkereien nutzen das Wachs in der Regel selbst für die Herstellung eigener Mittelwände und für Weihnachstartikel. Dazu muß das Wachs aber zuerst aus den Waben gewonnen werden.

 

Für die Wachsgewinnung stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Die einfachste und im Betrieb günstigste ist die Wachsgewinnung mit einem Sonnenwachsschmelzer. Der Sonnenwachsschmelzer besteht aus einer flachen Kiste mit einem Glasdeckel und einer wachsneutralen Auffangschale für das flüssige Wachs.

 

Wachsneutral bedeutet, dass die Schale idealerweise aus Edelstahl oder unbeschädigtem Emaille besteht. Es können auch lebensmittelechte und temperaturbeständige Kunststoffschalen verwendet werden. Schalen aus Aluminium, Kupfer oder aus alten Backblechen sind nicht geeignet, denn hier kann sich das Wachs bei Berührung mit dem Metall irreversibel verfärben oder sogar verseifen.

 

Nachteil dieses Verfahrens: Es muß gutes Wetter haben und es dauert mitunter etwas lang, bis die Waben richtig ausgeschmolzen sind. 

 

 

Einfacher Dampfwachsschmelzer

 

Eine einfache und sehr komfortable Form der Wachsgewinnung ist der Einsatz eines Dampfgeräts in Verbindung mit einem einfachen Gitterboden.

 

Hierbei werden gleichzeitig die Rähmchen und die Zargen der Beute durch den heißen Wasserdampf weitestgehend desinfiziert. Lediglich sehr robuste Bakterien- oder Virenstämme können diese Prozedur überstehen. Schädlinge wie die Wachsmotte werden samt ihren Larven und Eiern abgetötet.

 

Der Schmelzboden ist mit wenigen Brettern schnell zusammengezimmert und erhält ein Loch in der Mitte, durch welches das Wachs in den untergestellten Eimer laufen kann. Auf den Schmelzboden wird ein Edelstahlgitter oder der Gitterboden einer Hohenheimer Einfachbeute gelegt.

 

Hinweise für die Verwendung des Hohenheimer Gitterbodens statt dem Edelstahlgitter:

  • Der Gitterboden sollte ebenfalls mit einem Edelstahlgitter versehen sein, das Kunsstoffgitter könnte sonst durch die Hitze beschädigt werden oder es könnten fettlösliche Stoffe aus dem Kunststoff in das Wachs gelangen. 
  • Bei Verwendung des Gitterbodens muss der Fluglochkeil so eingelegt werden, dass der Boden geschlossen ist
  • Der Einschub für das Diagnosebrett (Windel) muss ebenfalls verschlossen werden, je nach Ausführung vorne und hinten.

So vorbereitet ist der Boden nur noch nach unten zum Schmelzboden geöffnet und man erhält einen geschlossenen Dampfraum.

 

Auf das Gitter oder den Hohenheimer Boden wird eine Zarge mit Altwaben gestellt und diese wird mit dem Außendeckel abgeschlossen. Der Deckel darf keine Abstandshalter haben und sollte vollflächig auf der Zarge aufliegen. Notfalls kann man den Deckel auch umdrehen oder man verwendet ein Stück Schaltafel (Siebdruckplatte) als Deckel.

 

Danach wird das Schlauch des Dampfgeräts in das seitliche Loch des Schmelzbodens gesteckt und das Gerät wird eingeschaltet. Die Schmelzdauer beträgt vom Start an ca. 20 - 45 min, je nach Außentemperatur und Dampfleistung des Geräts. Im Sommer können mit einem Durchgang auch gleichzeitig zwei Zargen ausgeschmolzen werden, allerdings fällt hierbei etwas mehr Arbeit bei der Reinigung der Rähmchen an. Bei einzelner Behandlung der Zargen müssen anschließend nur noch die leeren Zellen entnommen werden und die Rähmchen sind sauber. Dies geschiet am besten unmittelbar nach dem Schmelzen, wenn die Zellen noch weich sind.

 

Mit dieser Konstruktion und einer zweiten Leerzarge als Dampfraum lässt sich auch Entdeckelungswachs einschmelzen. Das Wachs wird dann einfach direkt auf das Gitter gegeben.

 

Bilder anklicken zum Vergrößern.

Leerzarge mit Eimer
Schmelzboden
Schmelzboden mit Edelstahlgitter
Zarge mit Altwaben
Komplettaufbau mit Dampferzeuger
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