
Von Michael Uhlig
Die Bienenkönigin oder auch der Weisel ist das Muttertier aller Bienen in einem Volk. Die Königin ist als einzige weibliche Biene in der Lage, befruchtete Eier zu legen. Diese Fähigkeit erhält die Königin aufgrund einer besonderen Diat aus Gele Royal, die ihr von den Pflegebienen während ihrer Entwicklungszeit als Rundmade bis zur Verdeckelung ihrer Brutzelle verabreicht wird.
Das bedeutet, dass grundsätzlich aus jeder Arbeiterinnenmade auch eine Königin entstehen kann, wenn sie ebenfalls diesen Königinnenfuttersaft bekommt. Einzige Einschränkung hierbei ist das Alter: Am sichersten funktioniert dies bei Maden, die innerhalb der ersten drei Tage nach dem Schlüpfen mit Gele Royal weitergefüttert werden.
Dieses Wissen macht sich der Imker bei der gezielten Auslese von Zuchmaterial aus besonders friedfertigen, gesunden und ertragsstarken Bienenvölkern zu Nutze.
Der Begriff "der Weisel" für das eigentlich weibliche Tier Königin stammt noch aus der Zeit als man davon ausging, dass es sich bei der Königin um ein männliches Tier handeln müsse (=König des Volkes). Er wird aus Traditionsbewusstsein heute noch neben dem Begriff Königin gebraucht.
Die Entwicklung dauert vom Ei bis zum Schlüpfen der Königin insgesamt 16 Tage.
Dieser Zeitraum ist in verschiedene Entwicklungsstufen unterteilt:
Merke: 3-5-8 und die Königin ist gemacht!
Nach dem Schlüpfen dauert es ungefähr sechs Tage, bis die Jungkönigin Geschlechtsreif ist und das erste mal zum Drohnensammelplatz ausfliegt. Diese Flüge werden Begattungsflüge genannt und von der Königin mehrmals unternommen. Bei jedem Begattungsflug kommt es zu mehrfacher Anpaarung mit unterschiedlichen Drohnen.
Etwa fünf bis zehn Tage nach ihrem ersten Begattungsflug ist die Königin in der Lage, bis zu 2000 befruchtete Eier pro Tag zu legen. Durch die hormonelle Umstellung die zur Eiablage notwendig ist, schwillt der Hinterleib der Königin an und das Tier verliert dabei seine Fähigkeit zu fliegen. Die junge Königin wird ihre Flugfähigkeit erst während der nächsten Schwarmzeit im kommenden Jahr wiedererlagen, wenn sie durch ihren Hofstaat auf das Schwarmereignis vorbereitet wird.
Die Königin ist das langlebigste Individuum im Bienenvolk und lebt bis zu vier Jahre. In der Imkerei werden die Königinnen nach dem 2., spätestens nach dem 3. Jahr ausgetauscht, weil ihre Legeleistung nachlässt und dadurch das Volk geschwächt wird. Die Bienen selbst sind ebenfalls in der Lage, schwächer werdende Königinnen zu erkennen und tauschen diese auch von selbst vorzeitig aus. Dieser Vorgang wird "stilles Umweiseln" genannt, weil er in der Regel außerhalb der Schwarmzeit und ohne Zutun des Imkers stattfindet.
In der Regel werden mehrere Königinnenzellen gleichzeitig von den Bienen angelegt. Nachdem die erste Königin geschlüpft ist, macht sie sich auf die Suche nach den noch ungeschlüpften Königinnen. Sie erkennt sie dadurch, dass sich die ungeschlüpften Königinnen auf ihren Rufton ("Tüten") mit Quaklauten melden. Hat sie eine Königinnenzelle gefunden, beißt sie seitlich ein Loch in die Zelle und ersticht die ungeschlüpfte Königin. Sollte zwischenzeitlich bereits eine weitere Königin geschlüpft sein, kommt es zu einem Kampf auf Leben und Tot. Am Ende siegt die stärkste Königin und übernimmt das Volk.
Während der Schwarmzeit hat die alte Königin das Volk zu diesem Zeitpunkt bereits mit einem Teil des Volkes als Schwarm verlassen, sodass es zu keinem Kampf zwischen der Jungkönigin und der alten Königin kommt. Es kann allerdings vorkommen, dass nicht alle ungeschlüpften Königinnen gefunden werden und einige Bienen mit der Jungkönigin einen zweiten Schwarm bilden und ebenfalls das Muttervolk verlassen.
Dieses Verhalten dient der natürlichen Vermehrung der Bienenvölker, schwächt aber das zurückgebliebene Volk, sodass es in der Regel in diesem Jahr keinen Überschuß an Honig mehr einträgt, den der Imker ernten könnte.
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